Mut zum Experiment Augustinerhof – Der Workshop rund um das Theater Trier

Bürgerinnen und Bürger von Trier waren am 15. und 16. November dazu eingeladen, unter dem Motto „DEINE STADT – MITGESTALTEN“ über das größere Umfeld des Trierer Theaters mit hochkarätigen Fachleuten zu diskutieren, Ideen einzubringen und Meinung zu äußern. Diese Linien haben sich klar herauskristallisiert: das Theatergebäude soll sichtbarer werden, der Bereich muss grüner werden und dafür müssen die Parkplätze auf dem Augustinerhof weichen.

Die beiden Vereine Trier-Forum e.V. und Baukultur Trier e.V. haben zusammen mit dem Campus für Gestaltung der Hochschule Trier in das Foyer des Stadttheaters Trier eingeladen. Knapp 150 Bürger, Architekten, Vereine, Vertreter aus Politik, Verwaltung und Bistum sowie Studierende lauschten bei der Auftaktveranstaltung am Donnerstagabend gespannt den Vortrag von Dr. Rena Wandel. Die Saarbrücker Architektin und Stadtplanerin machte Mut: „Trier hat die Aufgabe, das Umfeld des Theaters so neu zu erschaffen, dass Geschichte festgehalten und der Raum als sozialer kultureller Raum neu erschaffen werden kann. Dazu ist der Dialog von Stadtplanern, politischen Vertretern, Trierern und Bürgern notwendig.“ Ihr Dank gebührt den Veranstaltern: „Es ist zwar anstrengend, einen Diskurs wie diesen Workshop zu führen. Aber es ist auch befreiend. Denn in einem solchen Rahmen können alle gemeinsam die gebotene Dialogplattform nutzen.“ Oft würden Bürger erst dann einbezogen, wenn grundlegende Entscheidungen schon gefallen seien. „Und dann sind sie oft nur noch gegen etwas oder lehnen eine Maßnahme ab. Nutzen Sie jetzt die Chance, die Herzen der Menschen anzusprechen. Souveränität kann nur erreicht werden, wenn Bürger einbezogen werden.“ Ihr Appell „Lernen Sie sich als Verbündete kennen!“ wurde schon am Abend selbst ein Stückchen Wirklichkeit.

Als zweiter Redner des Abends präsentierte der Trierer Baudezernent Andreas Ludwig nämlich eine Präsentation zur Geschichte des Augustinerhofes und der anliegenden Gebäude. „Meine zusammengetragenen Fakten, also Pläne und historische Ansichten stehen allen Teilnehmern des Workshops zur Verfügung, damit können Sie arbeiten“, so Ludwig. „Ich sehe den Tag als Chance, zu optimieren, was man optimieren kann. Die Ergebnisse werden für den Planungsausschuss sehr wertvoll sein. Dafür danke ich schon jetzt.“

Spaziergang durch ein Sammelsurium

Der Workshoptag selbst begann am Freitag mit einem einstündigen Rundgang rund um das Theater. Ideengeber des Workshops, Architekt Alois Peitz sowie Prof. Kunibert Wachten von der RWTH Aachen lenkten den Blick der beiden Gruppen auf die anliegende Architektur, die Straßen- und Wegeführung sowie auch die Ansicht des Theaters von unterschiedlichen Perspektiven. Im Bereich des Hochbunkers wurden die Augen der Workshopteilnehmer geöffnet: „Schauen sie sich doch mal um, was hier alles rumsteht! Schilder, Glascontainer, Absperrgitter. Und dann der Boden – ein planloses Durcheinander und entsetzlich für das Auge,“ so Kunibert Wachten.

Oberbürgermeister Wolfram Leibe sah durchaus gute Chancen für eine Entwicklung des Quartiers, als er die rund 100 Teilnehmer im Foyer begrüßte, die sich gerade an die fünf großen Tische verteilten. „Das Theater hat sich stabilisiert in den letzten Jahren. Nur wenn Akzeptanz für die Institution da ist, können wir diskutieren. Nun aber ist die Zeit dafür, leider haben wir drei Jahre verloren. Jetzt muss das komplette Theaterumfeld eine Ausstrahlung in die Stadt bekommen“, sagte Leibe und war froh über die Unterstützung: „Danke für die Beratungsbereitschaft aus der Bürgerschaft. Lassen Sie uns gemeinsam streiten!“

„Erfindet den Augustinerhof neu!“

Nach monatelanger Planung, zahlreichen Gesprächen und vor allem viel Herzblut in der Sache – eine bürgerfreundliche Entwicklung des Theaterumfelds – war das Motto von Alois Peitz klar: „Erfindet den Augustinerhof neu!“. Die großen Arbeitstische waren ausgestattet mitl Plänen, Zeichenmaterial, der Bildersammlung von Andreas Ludwig und Arbeitsmaterialien zur Präsentation der Ergebnisse. Knapp vier Stunden waren dafür vorgesehen, sich über die Zukunft des Theaters und seines Umfeldes austauschen. Im Anschluss an den Kreativprozess sollten Ziele stehen, die kurz- oder mittelfristig umsetzbar sind bzw. Vision für die Zukunft bleiben können. „Die Sanierung des Theaters macht nur Sinn, wenn im Vorfeld klar ist, wie die Leitlinie für das Viertel aussieht“, betonte Peitz. „Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger ermutigen, sich aktiv einzusetzen und der „Kompetenz der Vielen“, wie Rena Wandel es nennt, einen Raum geben. In diesem Sinne wurde die Veranstaltung von Konzeptkünstler Laas Köhler moderiert, er präzisierte: „Wichtig ist: Was ist möglich? Und nicht: Was ist.“

Parkfläche bedeutet nicht Parkplatzfläche

Der Thementisch unter dem Motto „Das Viertel, Verkehr, Plätze und Grün“ behandelte das städtebauliche Umfeld des Trierer Theaters. Dipl.-Geograf und Mobilitätsberater Maik Scharnweber fasste die Kernthemen für die Zukunft zusammen: „Es muss ein grüner Raum entstehen, statt Pflaster und Asphalt benötigt Trier einen Park, die entsprechenden Bäume sind bereits vorhanden.“ Und auch die Orientierung auf dem Platz sollte verbessert werden. Neu zu schaffende Achsen würden Fußgänger und Radfahrer besser leiten, Urban Gardennig-Projekte würden die Bürger des Viertels nutzen können. Wichtig war der Runde am Tisch auch die bessere Erreichbarkeit des Platzes vom Trierer Westen aus, wo zukünftig auch der Nahverkehr näher angebunden sein wird – viel schneller zu erreichen als der Hauptbahnhof.

Ein schöner Platz braucht klare Kanten

Am Thementisch „Augustinerhof und seine Anrainer“ sprach Prof. Dr.-Ing. Matthias Sieveke, Architekt und Dekan des Fachbereiches Gestaltung an der Hochschule Trier für die Arbeitsgruppe: „Wir fordern, den Augustinerhof einfach für zwei Wochen für Autos zu sperren. Autos könnten besser in Quartiersgaragen parken. Ein von Autos befreiter Augustinerhof wäre ideal für den Wochenmarkt, eine Markthalle und Gastronomie. Zur vollen Schönheit könnte er erweckt werden, wenn der Platz neu eingerahmt würde. Mit einem Gebäude gegenüber des Humboldt-Gymnasiums, das dessen gebogene Fassade spiegelt, könnte der Platz nach Osten hin definiert werden. Ein Aufbau auf den Flachbunker würde die Südseite logisch abschließen. Kombiniert mit einem französischen Garten am Astarix und einem englischen Garten hin zum Viehmarkt könnte eine grüne Platzfolge bis zur Brückenstraße entstehen. „Wir müssen radikal sein! Nicht die Funktion eines Platzes ist ausschlaggebend, sondern dessen Schönheit“, so das Fazit der Gruppe.

Das Theater muss in die Stadt strahlen

Die Gruppe „Alles (ums) Theater“ betonte, dass die Sichtbarkeit des Theaters erhöht werden muss. „Ganz einfach und schnell umzusetzen wäre es, den Glaskubus so zu beleuchten, dass er in Richtung Stadt strahlt“, fasste der Trierer Architekt Axel Christmann zusammen, der als Partner im luxemburgischen Büro Valentiny hvp architects tätig ist. Besonders zielführend wäre es, wenn das Theater durch die Sichtachse zum Viehmarkt strahlen würde. Ausreichend Handlungsspielraum für eine sinnvolle Planung würde genau dann entstehen, wenn die Stadt das Grundstück neben der Antoniuskirche nutzen könnte. So könnt nicht nur für diese Zukunftsvision die passende Sichtlücke zum Viehmarkt geschaffen werden. Die Anbindung des Theaters an die Innenstadt war in allen Diskussionsrunden die einhellige Forderung. Zweiter Wunsch war, den ebenfalls autofreien Augustinerhof kommunikativer zu gestalten, einfach wäre dies mit einer Theater-Gastronomie, die auch tagsüber und unter den Bäumen zum Verweilen einladen würde.

Mut zum Experiment: Weltkirche in Trier

Die nahegelegene „Antoniuskirche und drumherum“ könnte Ort für eine Weltkirche und Experimentierraum in einem sein. Dipl.-Ing. und Mainzer Diözesanarchitekt Johannes Krämer fasste im Namen der Runde zusammen: „Die kleiner werdenden Gemeinden könnten im niedrigen Nordschiff einen behaglicheren Sakralraum herrichten und mit dem vorhandenen liturgischen Gerät ausstatten. Die dort aktiven polnischen und syrischen Christen würden profitieren und so einen Ort für eine sich vielleicht erweiternde Weltkirche schaffen. Das hohe Südschiff sollte von Bänken befreit werden, um den Kirchenraum so neu erfahrbar zu machen, z.B. als Ort für Konzerte oder Kirchenmusik mit der vorhanden qualitativ hochwertigen Orgel. Um die Antoniuskirche herum wurde mehr Raum für Grün, Fußgänger und Fahrradfahrer gewünscht.

Mit einem Kulturgarten zurück zu den Römern

Prof. Kunibert Wachten als Sprecher für das Thema „Potenziale Europahalle, Hochbunker, ForumKino“ empfahl als Ergebnis des gemeinsamen Arbeitens: „Trier fehlt Gartenkultur. Und so muss rund um das Theater ein Kulturgarten entwickelt werden, der von der Synagoge bis zum Viehmarkt führt.“ Nicht nur, dass Gärtnern Kulturen und Generationen verbindet – auch städtebaulich begründete das Team diese Idee: In der Römerzeit lag der Bereich mitten in der alten Weltmacht. Im Mittelalter wurde der römische Grundriss überformt, seitdem sei der Bereich nur noch ein Anhang der südlichen Altstadt. Das Theatergebäude sei ein Solitär, der einen Park benötigt und so wieder zu einer Marke in der Stadt werden könnte. „Nur ein Park kann das Sammelsurium an Gebäuden verbinden“, war sich die Gruppe einig. Und auch mit Blick auf die Kosten sei dies die für die Stadt beste Lösung.

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