Ein geschichtlicher Abriss

Der heutige Augustinerhof lag nahe am Herzen des römischen Stadtzentrums, dem Forum und er schrumpfte hunderte Jahre später zu einem Platz am Rande der Stadt mit einem Landarmenhaus. Wie kam er durch die Jahrhunderte?

Im römischen Trier war das Stadtquadrat mit dem späteren Augustinerhof mittendrin, zwei Quadrate nördlich des Forums, ein Quadrat südlich der innerstädtischen Therme (am Viehmarkt). Zur Blütezeit des römischen Trier unter Valentinian im 4. Jahrhundert war dieses Viertel – so darf man annehmen – dicht mit Wohnanlagen und Atriumhäusern bebaut, immer auch im Schatten und in Zuordnung zur dominierenden Therme daneben.

Mit Verlegung des römischen Hofes nach Mailand, nach 400, war Trier als römische Residenz aufgegeben und „die Gesamtform der Stadt löste sich in einzelne Wohn-, Rechts- und Pfarrbezirke auf”.[1] Dieser Trend war ein stetiger, vor allem nach den Normannenstürmen im Jahre 882, und führte erst wieder zur Verdichtung um den Dom- und Marktbereich als neue Stadtmitte. Die jetzt mittelalterliche Stadt verstärkte ihre Geschlossenheit durch eine neue Südgrenze mit Stadtmauer im Verlauf des römischen Decumanus (heute Kaiserstraße/Südallee). Die mittelalterliche Stadt ist damit auf die Hälfte der römischen geschrumpft.

In ihr liegt der Augustinerhof jetzt in Randlage, nahe der südlichen Stadtmauer. Seinen Namen erhält er durch Bauten eines neuen Ordens der Augustiner-Eremiten, deren Niederlassung an der Brückenstraße 1271 und 1284 bezeugt ist. Durch diesen Orden erfolgt 1330 der Bau der Augustinerkirche, deren vorderer Teil noch erhalten ist und dem Stadtrat als Sitzungssaal dient. Der Klosterbau wird nach Kriegseinwirkungen nach 1722 neu errichtet und ist in Teilen im heutigen Rathaus noch erhalten. Ein Kupferstich von Steidlin aus etwa 1730 zeigt das Kloster mit dem Verlauf seiner östlichen Platzwand, die der Eingangsseite zum heutigen Rathaus entspricht. Vor dem Kloster nach Osten zeigt der Stich einen parkähnlich angelegten Platz, den Augustinerhof.

Nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 beginnt auch für das Augustinerkloster eine Fremdverwertung bis zu seiner Aufhebung um 1801. Die Gebäude des Klosters werden nach größeren Umbaumaßnahmen als Landarmenhaus und Fürsorgeanstalt für männliche Jugendliche genutzt.

Der Platz davor blieb – mehr oder weniger – immer ein Platz. Die Gebäude des Landarmenhauses werden 1925 von der Stadt übernommen und zum zweiten Rathaus umgebaut (das erste Rathaus stand am Kornmarkt). Nach dem 2. Weltkrieg, in dem das Rathaus am Kornmarkt zerstört wurde, zog die Stadtverwaltung endgültig an den Augustinerhof.

In den Wirren der Neuzeit gab es für Trier immer wieder Stadtentwicklungspläne, einen Generalbebauungsplanentwurf von 1900 mit dem Schwerpunkt der Straßenführung für den aufkommenden Verkehr, einen ähnlichen von 1929 mit Entlastungsstraßen und Fußgängerzonen, den Großen Trier-Plan von 1938 mit den Ideen des Ausbaus Triers zur Zentrale der Westmark und dann 1948/49 der Plan von Prof. Fritz Thoma für das „Gesamtstadtgebiet und den Wiederaufbau des Stadtkerns”.

Am Augustinerhof hatte sich inzwischen einiges getan. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand im Bereich des heutigen Theaters der von Johann Georg Wolff entworfene sog. Schinkelbau, ein klassizistischer Bau von hoher Qualität. 1929 öffnete das Hindenburg-Realgymnasium seine Pforten in einem Neubau auf der Ostseite des Augustinerhofes. Der Schinkelbau wurde vor dem 2. Weltkrieg gegen den Widerspruch des Provinzialkonservators abgebrochen. Auf seinen Einspruch 1936 beim Regierungspräsidenten besuchte der Staatskonservator der Kunstdenkmäler die Stadt, „sprach sein Bedauern über den Abbruch aus, erteilte aber nachträglich seine Genehmigung. Der Oberbürgermeister sagte zu, dass die Fassadenteile sorgfältig für eine spätere Wiederverwendung aufbewahrt würden.”[2]

An den 2. Weltkrieg erinnert noch der 1942 errichtete Hochbunker. Er sollte noch eine an das Mittelalter erinnernde äußere Form erhalten, die aber nicht zur Ausführung kam. Das Gymnasium von 1929 wurde im 2. Weltkrieg zerstört. An seiner Stelle entstand 1957 ein Nachfolgebau von Architekt Erich Wirth, das heutige Humboldtgymnasium.

Prof. Fritz Thoma, der Verfasser des Wiederaufbauplanes nach 1945, wiederholte immer wieder seine „Vorschläge“ und sah in ihnen das geschichtliche Stadtbild gewahrt. Darüberhinaus machte er Einzelvorschläge, die sich auf den Ausbau öffentlicher Bereiche konzentrierten. Sein Programm sah vor:

  • ein neues ziviles Stadtzentrum – dem vergrößerten Stadtvolumen entsprechend – im Bereich des Augustinerhofes – Hindenburgstraße – Viehmarkt (Rathaus-/Theaterplatz)
  • den staatlichen Verwaltungsmittelpunkt an der Deworastraße (erweiterte Regierung und Reichsbahn)
  • an der Weberbach: völlig neue Bedeutung durch Anordnung einer dringend fehlenden Stadthalle im Zusammenhang mit dem Volksgarten…..
  • die Freihaltung empfindlicher Zonen von jedem motorisierten Fahrverkehr. Dies galt für die Dominsel und die Uferstraße vom Schießgraben bis zum Zollamt.”[3]

Der Augustinerhof war und ist seit der römischen Zeit immer ein „Rest-Platz“ geblieben. Ein Kloster ist kein öffentliches Gebäude und braucht keinen Platz vor seinem Eingang – ein barockes Kloster vielleicht. Das Rathaus, in die Gebäude des Klosters/Armenhauses geraten, hat selbstverständlich diesen Platz angenommen – ohne ihn je auszuformen. Die Schule war immer zur Straße orientiert, zeigt zum Platz ihre „Rückseite” und hat nicht einmal einen Eingang dort. Und das Theater ist auf die Hindenburgstraße hin konzipiert, hat von Anfang an einen Seiteneingang vom Augustinerhof, weil der andere wegen Grundstücksproblemen (noch) nicht ging.

Der Augustinerhof kann noch geboren werden.

Text: Alois Peitz


[1] Karl-August Heise, Die alte Stadt und die neue Zeit, Trier 1999, S. 18
[2] Karl-August Heise, Die alte Stadt und die neue Zeit, Trier 1999, S. 122
[3] Karl-August Heise, Die alte Stadt und die neue Zeit, Trier 1999, S. 154

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